
Hrsg. v. Lothar Glotzbach mit einem Vorwort
2001, Paperback, 160 Seiten, € 19,50
ISBN: 978-3-935333-01-6
Leseprobe
In neueren Literaturgeschichten und in verschiedenen literarhistorischen Abhandlungen ist die Tatsache bereits vermerkt worden, daß das moderne Schrifttum die Gestalt des jungen Menschen mit besonderem Interesse behandelt und sie geradezu in den Vordergrund der literarischen Bemühungen rückt. Beispielsweise beginnt der früh verstorbene Werner Mahrholz, dessen grundsätzliche und theoretische Arbeiten über die Situation der Literaturwissenschaft unlängst durch Professor Franz Schultz den Studierenden wieder zugänglich gemacht wurden, das Kapitel über Nachkriegsromane in seinem Werk "Deutsche Literatur der Gegenwart" mit diesem Hinweis:
"Die deutsche Literatur beschäftigt in der Folge besonders das Erlebnis junger Menschen in und nach dem Kriege, sie dreht sich um das Schicksal der durch Krieg und Revolution arg mitgenommenen, innerlich oft verwahrlosten jungen Generation in Elternhaus und Schule."
Wir machten diesen augenfälligen Tatbestand zum Ausgangspunkt einer Untersuchung über die Gestalt des jungen Menschen, wie sie uns im deutschen Roman der Nachkriegszeit, in der unmittelbaren Gegenwart also, entgegentritt. [...]
Im Vordergrund [...] steht der Nachkriegsjugendliche: ein junger Mensch, dessen Herkunft durch den Krieg bestimmt, dessen Entwicklungsgang durch ihn und die Nachkriegsepoche entscheidend beeinflußt ist.
Alle Literatur dieses Zeitabschnittes steht unter dem Bann des gewaltigsten gesellschaftlichen Ereignisses dieses Jahrhunderts: des Weltkriegs.
Sein Erleben und das seiner unmittelbaren Folgen steht im Mittelpunkt fast aller dichterischen Darstellungen, auf die wir seit etwa 1920 zurückgreifen können.
Innerhalb dieser dichterischen Bemühungen steht die Darstellung des jungen Menschen in entscheidender Weise voran.
Ernst Erich Noth, Frankfurt am Main, Januar 1933
Aus dem Vorwort des Herausgebers
Die Dissertation erschließt ein Bild des jungen Menschen von der Zeit der Jugendbewegung bis zum unmittelbaren Ende der Weimarer Republik. Anhand zahlreicher zeitgenössischer Romane wird die Entwicklung der Erziehungs- und Generationsprobleme aufgezeigt und die Situation des Nachkriegsjugendlichen im privaten und öffentlichen Umfeld beschrieben, sein Verhältnis zu Elternhaus, Lehrern, politischen Bünden und der Kriegsgeneration erörtert und analysiert, um ein allgemein verbindliches Bild des Jugendlichen zu erschließen.
Neben seinem Studium war der Doktorand als Journalist und Schriftsteller tätig und kannte persönlich einige der Schriftsteller, dessen Romane er in seiner Dissertation behandelt. Und so ist es von besonderem Reiz für uns gewesen, wie er an die Romane seiner Schriftstellerkollegen herangeht, sie auswertet und beurteilt. Das macht Lust, diese Romane selbst einmal zu lesen, die leider überwiegend nur noch in den Bibliotheken und Antiquariaten zu finden sind.
Lothar Glotzbach, Juni 2001
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