Ungekürzte Ausgabe nach dem Manuskript
Hrsg. mit Vorbemerkung von Lothar Glotzbach
2011, ISBN: 978-3-935333-16-0
Paperback, 496 Seiten, € 49,00
Ernst Erich Noths Memoirenwerk »Die französischen Jahre« liegt mit dieser Ausgabe erstmals ungekürzt und unverfälscht vor. Seit März 1933 im französischen Exil setzt er sich in seinen Erinnerungen kritisch und selbstkritisch mit den Jahren auseinander, in denen Hitler-Deutschland Weltgeschichte diktiert hat, und er stellt sich der Frage: Ist der Schriftsteller in Zeiten politischer Bedrohungen ein Getriebener oder ein Kämpfer für Recht und Freiheit?
»Das Leben geht weiter. Dieser Satz klingt in solchem Zusammenhang immer gut, und man darf ihn den Leuten nicht durch die peinliche Frage ›Warum eigentlich?‹ vergällen. Die Aufforderung, einen Strich unter die Vergangenheit zu setzen, zielt in Wirklichkeit natürlich immer darauf ab, unbequeme Seiten im Buch der Geschichte einfach durchzustreichen; es soll sogar Memoiren geben, die einzig zu diesem Zweck verfaßt werden, und diese Sorte ist wahrscheinlich beliebter als meine.«
Ernst Erich Noth, Die französischen Jahre
»Ernst Erich Noth, dessen Fall wohl eine Ausnahme darstellt, hat seinen Aufenthalt im fremden Land nicht zum kulturellen, schöngeistigen Selbstgenuß stilisiert wie etwa Friedrich Sieburg, auf den ein unerfreuliches Licht fällt: Noth hat ihn gleich nach seiner Flucht besucht, in Verkennung der Tatsache, daß der akkreditierte Journalist einem im nationalsozialistischen Deutschland in Ungnade gefallenen Schriftsteller schwerlich helfen würde. Sieburg, so läßt der Autor durchblicken, gehörte nicht einmal zu jenen Illusionisten, die nur an ein Zwischenspiel der Nazis glaubten, sondern zu denen, die auf die Zukunft der großdeutschen Bewegung setzten. Noth lebte eben nicht wie Gott in Frankreich; der Lauf der Geschichte hat gezeigt, daß nicht der spätere Kollaborateur Sieburg, der Vichy und Hitler zusammenbringen wollte, sondern der so unpathetisch europäisch denkende Intellektuelle Noth zum Verbindungsglied zwischen Deutschland und seinem Gastland wurde, wo er zu fast allen französischen Schriftstellern von Rang [...] Kontakt fand, ohne sich aufzudrängen.« German Werth, Tagesspiegel (Berlin), 1972.
»Bringt Noths Buch Neues jenen, die Klaus Mann und Hermann Kesten und Ludwig Marcuse und Alfred Kerr und Gott weiß wie viele andere Dokumentarberichte über die deutsche Emigration gelesen haben? Vielleicht insofern, als Noth zu jenen ganz wenigen deutschen Flüchtlingsschriftstellern gehörte, denen es gelang, in der (nichtamerikanischen) Emigration sofort Fuß zu fassen und in der Sprache des Gastlandes zu schreiben. Dieser junge Mann durchbrach die Gettomauern der Exilexistenz, fand den Weg in Frankreichs Gesellschaft und literarische Welt.« Jean Améry, Die Zeit, 1971.
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Personenregister, Die deutschen und französischen Jahre - Download PDF (323 KB)
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